Sonntag, 31. Mai 2009

Die geistlichen Lieder des Mönchs von Salzburg: Entstehungskontext und Interpretation

Arbeit: Das Didaktische in den geistlichen Liedern des Mönchs von Salzburg

Einleitung

Um 1400 entstand im Raum Salzburg ein Korpus von geistlichen und weltlichen Liedern, das zahlreiche Fragen aufgibt: die Lieder eines sogennanten Mönchs von Salzburg.

Zunächst irritiert unser heutiges Empfinden die Einheit dieser Lieder, wie wir sie in den Handschriften vorfinden, die von drastischen Schimpf- und Liebesliedern bis zu anspruchsvollen Übertragungen lateinischer Hymnen und Sequenzen reichen. Die Irritation moderner Rezipienten zeigt sich darin, dass eine einheitliche Verfasserschaft häufig angezweifelt wurde, und die massgeblichen Editionen sich auf einen der zwei Liedtypen beschränken. Ohne neue Quellenfunde wird das Rätsel der Verfasserschaft nicht gelöst werden können. Bis dahin ist aus einem historischen Standpunkt die Frage viel aufschlussreicher, was für ein geistiger Hintergrund die Zuschreibung zu einem einzigen Dichter in den Liedersammlungen ermöglichte. Offenbar war im Spätmittelalter die Vorstellung nicht abwegig, dass ein „Mönch“ neben geistlichen auch weltliche Lieder verfasste, die sich nicht nur inhaltlich, sondern auch formal wesentlich voneinander unterscheiden. So schreibt die Handschrift A: „Etleiche kostparleichew hübsche lied so der bemelt herr gemacht hat mit vil ffiguren und subtiliteten paide Geistleich und werltlich.“

Die Identität des Dichters ist ungeklärt; das Pseudonym „Mönch“ bzw. „Mönch von Salzburg“, das in der Mondsee-Wiener Liederhandschrift und in den meisten anderen Handschriften wiederkehrt, ist die einzige verlässliche Angabe. Wie Burghart Wachinger überzeugend feststellt, gibt die Bezeichnung einen Hinweis auf die Stellung des Dichters in Salzburg: Benennungen müssen immer eindeutig sein; in einem Kloster hätte er den Übernamen „Dichter“ erhalten, in der Salzburger Hofgesellschaft stach dagegen sein geistlicher Stand hervor, und man nannte ihn den „Mönch“. Die Vermutung, dass der Dichter in der Salzburger Hofgesellschaft wirkte, die durch andere Stellen gestützt wird, gibt einen wichtigen Hinweis auf die Verwendung der Lieder. Wo und bei welcher Gelegenheit wurden sie gesungen und gespielt?

Für die weltlichen Lieder ist eine laikale Rezeption selbstverständlich; dass sich auch die geistlichen Lieder mit einer bestimmten Intention an ein explizit laikales Publikum richteten, versuche ich in meiner Arbeit aufzuzeigen.

Im ersten Teil meiner Arbeit beschreibe ich das Verhältnis der spätmittelalterlichen Kirche zu volksreligiösen Bewegungen als einen kreativen Balanceakt zwischen Integration und Verdammung. Dieser historische Hintergrund bildet die Grundlage des zweiten Teils. Darin untersuche ich die geistlichen Lieder des Mönchs von Salzburg nach didaktischen Verfahren auf der sprachlichen Ebene, die verwendet werden, um didaktische Elemente auf der Inhaltsebene wirksam zu vermitteln.

Die Arbeit deutet die geistlichen Lieder des Mönchs als Versuch, die Salzburger Gemeinde in das kirchliche Leben einzubinden und – mit Anleihen an die Volksreligiosität – in der kirchlichen Lehre zu unterrichten.

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